El Motassadeq und das Märchen:"Der König und sein Wesir"
Auf dem PC des Angeklagten El Motassadeq wurde eine e – mail mit nach Auffassung der Ermittlungsbehörden verschlüsselten arabischen Text sichergestellt. Tatsächlich war das Programm für arabische Texte ungeeignet. Die Spezialisten des BKA entschlüsselten das Märchen vom König und seinem Wesiren, das in der Hauptverhandlung vom Vorsitzenden des 4. Strafsenates verlesen wurde. Nach Auffassung der Verteidigung ist diese Fehleinschätzung eines tatsächlich harmlosen Sachverhaltes für das gesamte Verfahren symptomatisch.
"Der König und der Wezir"
Es gab einmal einen König, der hatte einen Wesir.
Der Wesir hat sich in allen seinen Angelegenheiten auf Gott verlassen.
Eines Tages verlor der König einen seiner Finger und es blutete. Als der Wezir dies sah, sagte er zu dem König: „Es wird gut sein, es wird gut sein, so Gott will!“
Der König reagierte zornig und fragte den Wesir: „Was soll denn gut sein und mein Finger blutet?“ …
Dann gab der König Befehl, den Wesir ins Gefängnis zu werfen.
Der Wesir sagte wieder: „Es wird gut sein, es wird gut sein, so Gott will!“
Der König pflegte die Gewohnheit, freitags einen Ausflug zu unternehmen. Bei seinem
letzten Ausflug rastete er neben einem großen Wald. Kurz danach ging er in den Wald hinein.
Dort erwartete ihn eine böse Überraschung. Da lebten nämlich Götzenanbeter. An diesem Tage zelebrierten sie ihren Götzen und suchten ein Opfer für ihn. Sie fanden den König, nahmen ihn mit und wollten ihn ihren Göttern opfern.
Sie merkten aber, dass ihm ein Finger fehlte und sagten, dass er als Opfer nicht geeignet sei.
Daraufhin ließen sie ihn frei. Hier erinnerte sich der König an die Worte des Wesir, als er seinen Finger verlor, und dieser sagte: „Es wird gut sein, es wird gut sein, so Gott will!“
Nach seiner Rückkehr ließ der König den Wesir aus dem Gefängnis frei. Er erzählte diesem die Geschichte, die sich im Walde ereignete. Er sagte ihm: „Es war also doch gut, dass ich meinen Finger verloren habe. Ich wollte dich dennoch fragen, warum du auch sagtest, dass es gut sein wird, als ich dich ins Gefängnis schickte?“
Der Wesir sagte: „Ich bin doch Euer Wesir und begleite Euch überall. Hättet ihr mich nicht ins Gefängnis geschickt, wäre ich mit Euch im Walde gewesen. Da an mir nichts fehlt, hätten sie mich als Opfer für deren Götter genommen … das Gefängnis hat mir doch genutzt“. „Möglicherweise ist euch etwas zuwider, und es ist doch gut für euch!“